Ich vermisse Italien. Daher musste mich letztes Wochenende ein italienischer Obstsalat (eine Macedonia di frutta) ein bisschen trösten. Dazu habe ich uns noch ein paar Biscotti gebacken und dann war die Welt wieder in Ordnung. Die Mandel-Biscotti sind mit Zitronenschale aromatisiert und innen zäh und außen knusprig. Ich finde sie perfekt zu meinem italienischen Obstsalat.

 

Meine Verbindung zum Süden Italiens erzähle ich euch gerne in einer kleinen Geschichte: 

Vor vielen Jahren machte ich eine Weiterbildung im Kunsthandwerk (ich habe ursprünglich eine Ausbildung zur Buchbinderin gemacht). Zum Abschluss der Weiterbildung fuhren wir mit einem unserer Dozenten nach Italien, genauer gesagt nach Apulien. Schon allein die Reise war ein Abenteuer. Wir waren ca. 17 Stunden mit verschiedenen Zügen unterwegs. Das wäre ja irgendwie noch lustig gewesen, ich bin ja sowieso ein großer Fan von Zugreisen. Allerdings hatten wir bei unserer Planung nicht daran gedacht, dass zu diesem Zeitpunkt (es war um den 15. August herum) alle Italiener sich Richtung Meer bewegen, um Ferragosto außerhalb der heißen, stickigen Städte zu feiern.

Der Aufenthalt in diesem alten apulischen Gehöft war einfach ein Traum. Wir übernachteten immer zu zweit in einem der kleinen Trullis. Vielleicht kennt ihr ja die kleinen Zipfelmützen-Häuschen, die typisch für diese Region sind.

Der Tag fing meistens mit einer kurzen Autofahrt ans Meer an. Auf dem Weg machten wir natürlich in einer Bar halt, um ein kleines Frühstück oder zumindest einen Kaffee zu uns zu nehmen. Auf dem Rückweg wurden dann oft noch frische Lebensmittel für unsere Selbstversorgung eingekauft. Diese Einkäufe – und vor allem was wir dann daraus zauberten – waren für mich bereits die ganze Reise wert.

Abends saßen wir dann draußen an einem großen, überdachten Tisch zusammen und ließen es uns bei italienischen Leckereien und Wein gut gehen. Überrascht lauschten wir den Geschichten unseres Dozenten (dem mit ein paar Freuden zusammen dieses Gehöft gehörte) über Schutzgeldzahlungen, Zigarettenschmuggel und sonstigen Gepflogenheiten dieser Region.

Natürlich haben wir uns auch künstlerisch betätigt, darum waren wir ja eigentlich hier. Es gab verschiedene Ateliers und wir waren alle Handwerker aus verschiedenen Berufen. Wir konnten uns also gegenseitig unterstützen, wenn jemand etwas Neues ausprobieren wollte. Ich habe mich dort intensiv mit Holzdrucken beschäftigt, es hätte aber auch die Möglichkeit zum Malen, Zeichen, Bildhauen, Arbeiten mit Holz usw. gegeben. Ich amüsiere mich immer noch über einen kleinen Buchbinde-Workshop, den ich bei einem kräftigen Scirocco-Wind im Freien abgehalten habe.
Dort ist mir dieser italienische Obstsalat (eine Macedonia di frutta) zum ersten Mal begegnet und ich mache ihn seitdem regelmäßig, wenn wir eine sommerliche Erfrischung brauchen. Eine Nacht im Kühlschrank und er ist einfach perfekt als Nachtisch oder auch als Ersatz fürs sonntägliche Mittagessen. Das besondere an diesem Obstsalat ist die Verwendung von Zitronenverbene (gehört zur Familie des Eisenkrauts), die dem Ganzen eine unglaubliche Frische verleiht. Zitronenverbene gibt es als Topfpflanze für den Garten oder Balkon zu kaufen (sie ist leider nicht winterhart!). Man bekommt sie auch getrocknet im gut sortierten Teegeschäft.
 

Italienischer Obstsalat (Macedonia di frutta) für 2 - 3 Personen

Zutaten

  • 2 - 3 Bio-Bananen
  • 2 Nektarinen
  • 1 Birne
  • 150 g Erdbeeren
  • 150 g Trauben
  • 60 g Brombeeren
  • 1 Sharon- oder Persimon-Frucht
  • 1 - 2 Zitrone/n (Saft)
  • 50 g Honig
  • 3 EL Limoncello
  • 2 - 3 EL Zitronenverbene, frisch oder getrocknet

Anleitungen

  • Zutaten vorbereiten
  • Aus 2/3 des Zitronensafts, dem Honig und dem Limoncello ein Sirup herstellen. Die klein gehackte Zitronenverbene zugeben.
  • Bananen schälen, kleinschneiden und mit Zitronensaft beträufeln.
  • Birnen kleinschneiden und mit Zitronensaft beträufeln
  • Restliches Obst kleinschneiden (gegebenenfalls Kerne entfernen) und in eine Schüssel geben. Bananen, Birnen dazu geben.
  • Sirup über das Obst geben und alles gut vermischen.
  • Über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen.
  • Mit den Biscottis und eventuell Sahne oder Vanillesoße genießen.

Mandel-Biscotti ca. 60 - 70 Stück

Zutaten

  • 200 g geröstete Mandeln
  • 200 g Zucker, aufgeteilt
  • 30 g Weizenmehl 550er
  • 4 g Weinsteinbackpulver
  • 1 Bio-Zitrone (die Schale davon verwenden!)
  • 1 Prise Salz
  • 1/2 Vanilleschote (ausgeschabt)
  • 140 g Eiweiß (von ca. 2 großen Eiern)
  • 130 g Puderzucker

Anleitungen

  • Zutaten vorbereiten und abwiegen.
  • Mandeln in einer Pfanne leicht anrösten.
  • Wenn die Mandeln vollständig abgekühlt sind, zusammen mit 150 g Zucker, dem Mehl, dem Backpulver, der Zitronenschale, dem Vanillemark und dem Salz in einen Food Processor geben. Ich besitze leider nur einen kleinen, sodass ich die Menge auf 2 mal zerkleinert habe.
    In kurzen Etappen die Mischung so lange zerkleinern bis die Mischung wie Sand aussieht. Nicht zu lange, da sonst Mandelcreme entsteht.
  • Das Eiweiß in einer Küchenmaschine mit Schneebesenaufsatz (oder mit dem Handmixer) bei mittlerer Geschwindigkeit schlagen. Wenn das Weiß schaumig aussieht, erhöhe die Geschwindigkeit und streue die restlichen 50 g Zucker allmählich ein. Es sollte ungefähr 30 - 45 Sekunden dauern, bis der Zucker zugegeben ist, also nicht beeilen. Schlage dann weiter mit hoher Geschwindigkeit bis das Eiweiß dicht und glänzend ist und "Spitzen" entstehen.
  • Die Nussmischung vorsichtig unter das Eiweiß heben. Den Teig dann für mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.
  • Wenn der Teig abgekühlt ist, gebe den Puderzucker in einen großen Teller. Forme mit Hilfe eines Esslöffels Teigkugeln in der Größe einer Walnuss. Lass die "Kugel" in den Puderzucker fallen und rollen ihn herum, bis sie mit Zucker überzogen ist. Kugeln auf einen Teller oder ein kleines Blech setzen und am Besten in den Gefrierschrank stellen. Da sollten sie mindestens 30 Minuten bleiben. Das erleichtert die anschließende Prozedur. Hat man nicht genug Platz im Gefrierschrank, reicht es auch, wenn man sie in den Kühlschrank stellt.
    Man kann die Kugeln auch für eine spätere Verwendung einfrieren. Dazu dann die vorgefrorenen Kugeln nach ca. 1 Stunde in einen Gefrierbeutel stecken. Man backt sie dann unaufgetaut zu einem späteren Zeitpunkt.
  • Backofen auf 150 ° C (Umluft) vorheizen.
  • Die angefrorenen Kugeln erneut in Puderzucker rollen. Lege sie dann auf ein mit Backpapier ausgekleidetes Backblech. Abstand halten, da die Biscotti ein bisschen aufgehen werden.
    Schneide dann mit einem scharfen Messer ein flaches "X" auf die Oberseite jedes Kekses. Dies verleiht diesen Biscotti ihre knusprige, zerklüftete Oberfläche. 15 - 20 Minuten backen, wenn sie nur im Kühlschrank waren. Backe sie 18 - 20 Minuten lang, wenn sie vollständig gefroren waren.
  • Wenn die Kekse fertig sind, lasse sie ca. 5 - 10 Minuten auf dem Blech abkühlen. Lege sie dann zum vollständigen abkühlen auf ein Gitter. Die Biscotti werden in einer luftdichten Dose aufbewahrt.

 

Die Rückreise war dann erneut abenteuerlich, da wir in den Ateliers viel gearbeitet hatten. Die Züge waren wieder ziemlich voll, die Italiener ignorierten unsere Platzreservierungen und wir mussten uns mit Keilrahmen, Papierrollen und sonstigen Exponaten irgendwie durchkämpfen. Zum Glück waren die Schaffner sehr hilfsbereit und ließen umgehend unsere reservierten Abteile räumen.

Braun gebrannt und überglücklich kamen wir dann wieder in München am Hauptbahnhof an. Trotz widriger Bedingungen auf der Fahrt, möchte ich diese Erfahrung auf keinen Fall missen. Es war einer meiner schönsten Aufenthalte in Italien.

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