Der Herbst ist die Jahreszeit, in der ich die Gegend meiner Kindheitstage sehr vermisse. Es ist ein Tal am Rande der Schwäbischen Alb. Es ist dort unbeschreiblich schön, wenn sich die Bäume entlang des Albtraufs unterschiedlich bunt verfärben und dazwischen die Sonne die weißen Felsen leuchtend anstrahlt. Kein Wunder sind große Teile dieser Gegend inzwischen zum Naturschutzgebiet gemacht und von der UNESCO zum Biosphärengebiet ernannt worden.

©Horst Mall (Mit freundlicher Genehmigung)

Ich kann mir inzwischen nicht mehr vorstellen dort zu leben, was aber damit zu tun hat, dass ich inzwischen so an eine Großstadt gewöhnt bin. Für uns, als Kinder, war unser Dorf allerdings ein Paradies. Ohne Aufsicht, haben wir jeden Nachmittag (zumindest bei schönem Wetter) im Freien verbracht.

Wir Schwestern waren zwar vom Alter her nicht so weit auseinander, hatten aber meistens unsere eigenen Spielkameraden oder Spielkameradinnen und auch nicht unbedingt die gleichen Interessen. Meine älteste Schwester war ein totaler Fan von kleinen Kindern und erprobte den Umgang mit ihnen bereits sehr früh an ihren Puppen. Diesen wurde dann z. B. der Blinddarm rausoperiert und fachmännisch wieder zugenäht. Unsere mittlere Schwester war immer mehr mit den Jungs unterwegs und war ständig dabei, sich mit ihnen zu messen oder Cowboy und Indianer zu spielen. Ich war schon sehr früh an gestalterischen und handwerklichen Dingen und an der Herstellung von Desserts und Kuchen interessiert. Da meine Mutter ein großes künstlerisches und handwerkliches Talent hat, bekam ich von ihr eigentlich immer Unterstützung, wenn ich mal nicht weiter wusste oder eine neue Technik erlernen wollte, z. B. beim Nähen.

Mein Lieblingsort war der Boden meines Zimmers, der ständig bedeckt war mit Papier- oder Stoffresten und bestimmt auch oft Spuren von Klebstoff aufwies. Dort konnte ich eben auch großflächig arbeiten, daher zog ich ihn einem Schreibtisch vor. Ich fertigte Kleiderkollektionen für meine Puppe Carlotta an und erstellte alles Mögliche aus Papier, wie z. B. Büchlein, Schächtelchen usw. Dieses Talent wurde dann auch später richtig erkannt und ich machte nach meiner Schulzeit eine Ausbildung zur Buchbinderin.

Im Herbst bauten wir aus Pergamentpapier und Holzstäben Drachen und ließen sie auf der Schwäbischen Alb steigen oder gingen mit unseren Eltern zum Pilze sammeln.

Der Garten und der Krautacker meiner Mutter musste auf den Winter „vorbereitet“ werden und wir Kinder waren da natürlich mal mehr, mal weniger begeistert dabei. 

Auch um unsere Hasen hinter dem Haus mussten wir uns kümmern. Wir liebten sie sehr, wurden dann aber immer wieder damit konfrontiert, dass sie nach einer längeren Zeit in unserer Obhut, als Hasenpfeffer im Kochtopf „endeten“. 

Musik spielte außerdem eine große Rolle in unserem Familienleben. Meine Eltern spielten (und spielen immer noch) Klavier und Geige und unterrichteten auch. Und so gingen bei uns von Musikschüler bis Profimusiker alle aus uns ein und auch wir Kinder lernten natürlich ein Instrument. Leider (oder vielleicht auch zum Glück) erfüllten wir in dieser Beziehung nicht die Erwartungshaltung unseres Vaters. Eine gewisse Musikalität ist in dieser Zeit natürlich entstanden und das kommt mir immer noch z. B. beim Tanzen zugute.

Im Nachhinein bin ich sehr dankbar für diese Art von Kindheit, auch wenn bei uns nicht alles immer so luxuriös oder perfekt (oder was man so allgemein darunter versteht) war. Es war auf jeden Fall ein kreatives Umfeld vorhanden, in dem ich meine Talente entfalten konnte und von dem ich heute noch profitiere.

Ein Highlight als Kind war für mich, wenn es die schwäbische Spezialität Pfitzauf gab. Es ist eine Art Mehlspeise. Es schmeckt herrlich und ist eigentlich gar nicht so schwer selbst zu machen. Man kann sich bei der Form auch mit einer Muffin-Form behelfen, falls sich nicht „zufällig“ eine Form im Familienbesitz befindet. Dann werden die Pfitzauf zwar erheblich kleiner, aber funktionieren tut es auf jeden Fall auch. Und mit ein bisschen Kompott oder Apfelmus sind sie einfach ein Gedicht. Wer sie nicht kennt? Stellt euch einfach einen Pfannkuchen mit einer knusprigen Kruste vor. Für mich sind Pfitzauf einfach traumhaft. Aber probiert es einfach aus! Viel Spaß mit meinem Rezept!

Pfitzauf

Materials

  • 250 g Mehl
  • ¼ Liter Milch oder Sojamilch
  • 4 Eier
  • eine Prise Salz
  • ca. 2 EL zerlaufene Butter
  • Öl für die Form
  • Puderzucker
  • Pfitzauf-Form

Anleitungen

  • Zuerst rührt man einen glatten Teig aus Mehl, Milch und Salz an, ähnlich wie einen Pfannkuchenteig.
    Backofen auf 200° C vorheizen. Ich habe festgestellt, dass bei Sojamilch Umluft ideal ist und mit Kuhmilch ohne Umluft gebacken werden sollte. Aber es ist natürlich auch sehr vom Ofen abhängig.
  • Die Pfitzauf-Form mit Öl und einem Pinsel einfetten und jede Mulde halb mit dem flüssigen Teig füllen. Jeweils in die Mitte ein bisschen von der flüssigen Butter geben.
  • Nun die Form in den Backofen stellen und 45 min. backen. Die Tür während des Backens nicht öffnen. Durch die Glastür des Backofens beobachten und eventuell nach 30 min. die Temperatur auf 180° C reduzieren oder zumindest die Umluft ausschalten.
  • Zügig aus dem Ofen nehmen und die Pitzauf aus den Formen nehmen.
  • Pfitzauf mit Puderzucker bestreuen und möglichst frisch gebacken mit ein wenig Kompott genießen.
    Pfitzauf
Translate »

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen